„Besinnliche Komödie“ vor dem Turm

Rheinpfalz, Ausgabe vom 04. Juni 2020, von Julia Plantz.

E-MAIL AUS PALATINA: Der Freinsheimer „Theader-Sommer“ beginnt trotz allerlei Auflagen am 9. Juni.

Verordnungen zu lesen, ist nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung von Kulturschaffenden. In diesen Tagen aber dürften Regelungen die Hauptlektüre der Kreativen sein. Wer jetzt wieder auch nur irgendwie tätig werden will, muss sich an Corona-Regeln halten. Und so wälzt auch die Freinsheimer Schauspielerin Anja Kleinhans derzeit mehr behördliche als Regieanweisungen – seit klar ist, dass es mit dem Kulturbetrieb wieder losgehen kann.

Die Corona-Lockerungen kamen für die Freinsheimerin, die seit 2007 ein klitzekleines Theater im mittelalterlichen Casinoturm betreibt, gerade rechtzeitig. Denn: Der „Theader-Sommer“ steht bevor. Die Stadt Freinsheim veranstaltet jedes Jahr vor dem Turm der Schauspielerin die Abende unter freiem Himmel. Für Kleinhans ist das jedes Jahr ein hoher organisatorischer Aufwand. Dieses Mal ist es das umso mehr. Abstandhalten ist angesagt. Und so kommen abgesehen von der Probenarbeit für das Stück „Paradiso“, das ab 9. Juni an 15 Abenden gezeigt wird, noch eine Menge anderer Tätigkeiten auf die Schauspielerin zu. Sie beschäftigt sich derzeit mit Handdesinfektionsmittel, Toilettenwagen und Maskenpflicht.

Das Stück ist eine „besinnliche Komödie“, beschreibt Kleinhans „Paradiso“ von Lida Winiewicz. Das Freinsheimer Publikum sei darauf eingestellt, dass beim „Theader-Sommer“ keine „Schenkelklopfer“ zu erwarten seien. In „Paradiso“ geht um zwei Frauen. Die 81-jährige Martha, verkörpert von Anke Siefken, begegnet Vicky (Kleinhans). Die beiden treffen sich über die Jahreszeiten hinweg immer wieder auf einer Parkbank und entwickeln eine besondere Verbindung zueinander. Die Corona-Zeit wird auch im Stück eine Rolle spielen.

Dazu gibt es musikalische Begleitung durch Cellist Burkard Maria Weber und Gitarrist Alex Lützke. Regie führt Johanna Regenauer. Nur die Musiker und die Schauspielerinnen untereinander können sich dabei etwas näher kommen. Sonst gilt auch im Theater derzeit überall: Abstand!

Was draußen – unter strengsten Auflagen – noch geht, ist drinnen für Kleinhans derzeit unmöglich. Denn ihr „Theader“ ist sehr klein. Gerade mal 20 Menschen können sich hier eine Aufführung ansehen. Und die dürfen keine Angst vor Nähe haben. Es ist nicht nur im Zuschauerraum kuschelig. Auch zum Bühnengeschehen gibt es hier kaum Abstand. Was sonst die besondere Atmosphäre im Turm ausmacht, wird in Corona-Zeiten zum Problem.

Was Kulturschaffende in der Regel besser können als Verordnungen zu lesen, ist kreativ zu sein. Und so hatte Kleinhans schon im Lockdown im März eine Möglichkeit gefunden, tätig zu werden. Auf Wunsch „fensterlte“ sie. In Form von Straßentheater führte sie kleine Stücke oder Gedichte vor Fenstern auf. Kulturelle Nähe zu schaffen war ihr Ziel – trotz Abstand. Wie es nach dem „Theader-Sommer“ weitergeht? Das hängt von Verordnungen ab. Ein bisschen aber auch von der Kreativität der Kreativen.

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