Ein Theater in der Synagoge?

Rheinpfalz, Ausgabe vom 03. März 2022, von Dagmar Schindler-Nickel.

Anja Kleinhans, Leiterin des Theader Freinsheim, möchte aus der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Synagoge in der Judengasse eine kulturelle Begegnungsstätte machen. Die Räume der Stadt Freinsheim wurden zuletzt vom Männergesangverein genutzt, der sich 2021 aufgelöst hat.

Freinsheim. Anja Kleinhans hat in den vergangenen Monaten viel Zeit investiert, ein Konzept zur Wiederbelebung des Gebäudes zu Papier zu bringen. So war es ihr wichtig, wie die Stadt und der Tourismus von einer solchen Begegnungsstätte profitieren könnten. 155 Programmpunkte, so Kleinhans, seien gleich im ersten Jahr 2023 denkbar. Zur Eröffnung schwebt ihr ein muslimisch-christliches Verbindungsprojekt mit Texten von Hermann Sinsheimer, Sufi-Musik und Gesänge der Hildegard von Bingen vor. Neben eigenen Theaterproduktionen für Erwachsene und Kinder seien auch Gastspiele anderer Theater denkbar.

Die Synagoge biete dafür ideale räumliche Voraussetzungen, findet Kleinhans. Hier könne das Theader Freinsheim auch unter unklar bleibenden pandemiebedingten Auflagen seinen Spielbetrieb wieder aufnehmen. Um das Vorhaben zu unterstützen, schwebt ihr die Gründung eines gemeinnützigen Kulturfördervereins vor. Für ihre Idee hat Kleinhans verschiedene Fördermöglichkeiten aufgetan. So stellte ihr bereits Jürgen Hardeck, Staatssekretär im Mainzer Kulturministerium, im Februar eine projektbezogene Förderung ihres Vorhabens von 20.000 Euro aus Landesmitteln für das kommende Jahr in Aussicht. Unterstützung für ihr Projekt signalisierte unter anderem auch Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld sowie Manfred Geis, Vorsitzender des Kulturausschusses im Bezirkstag.

Bis zu 100.000 Euro könnten aus einem Fördertopf abgerufen werden, mit dem bundesweit der Kultur ein Neustart nach der pandemiebedingten Auszeit ermöglicht werden soll. Das Geld, so sieht es das Konzept vor, könnte für eine moderne bühnentechnische Ausstattung verwendet werden. Dafür müsste Kleinhans aber bis zum 25. März neben Kostenvoranschlägen auch einen Mietvertrag für die Synagoge vorlegen. Deswegen ist sie auf die Unterstützung der Stadt sowie ihrer politischen Gremien an gewiesen.

Doch hier überwiegt die Zurückhaltung. Bislang wurde die Zukunft des Gebäudes, das nach einer jahrelangen Erbpacht durch den Männergesangverein zum Jahresende wieder an die Stadt zurückgefallen war, nur hinter verschlossenen Türen diskutiert. „Hier geht es um Vertragsangelegenheiten“, begründet Bürgermeister Matthias Weber (FWG) dieses Vorgehen. Er sieht in Kleinhans‘ Idee „Chancen und Risiken“. Wenn man nur das Konzept und nicht auf das Gebäude schaue, sei es eine große Chance für die Stadt. Die vielen Unterstützer, die Kleinhans bereits gewonnen habe, seien ein „Riesenkompliment“ für sie. Jedoch sei das Gebäude in einem bedenklichen Zustand. Der genaue Renovierungsbedarf sei noch unklar, merkt Weber an. Investiert werden müsse in Brandschutzmaßnahmen, Barrierefreiheit und eine neue Elektroinstallation. Es sei auch noch unklar, ob hinter der Feuchtigkeit im Keller eventuell ein Wasserrohrbruch stecke.

Stadtspitze will nichts überstützen

„Wir können das nicht übers Knie brechen“, meint Weber mit Blick auch den 25. März, an dem Kleinhans ihren Förderantrag hätte einreichen sollen. „Es ist tragisch, dass wir diese Chance im Moment an uns vorbei ziehen lassen müssen“, fügt er hinzu. Jedoch habe die Stadt sich für dieses Jahr andere Investitionsprioritäten gesetzt. In den nächsten Monaten werde die Stadt künftige Nutzungsmöglichkeiten ohne Zeitdruck in den Blick nehmen. Dabei gehe es auch darum, ob man das Gebäude überhaupt behalten könne.

Der für die städtischen Liegenschaften zuständige Beigeordnete Willi Simon (FDP) möchte ebenfalls nichts überstürzen. Bei den Überlegungen über die zukünftige Nutzung des Gebäudes müsse es, so der Beigeordnete, vor allem um die Wirtschaftlichkeit gehen.

Kleinhans bedauert, auf die 100.000 Euro an Fördergeldern verzichten zu müssen. „Das wird es nicht noch mal so geben“, ist sie sicher. Jedoch würde sie sich freuen, wenn ihr Konzept bei künftigen Überlegungen weiterhin „im Rennen bleibt. Es habe einen respektablen Umgang verdient, schließlich hätten sich auch viele Mitstreiter dafür engagiert. Auch mehr Transparenz würde sich die Theater-Leiterin wünschen. Denn sie habe nach der Stadtratssitzung, in der nichtöffentlich über ihr Konzept beraten wurde, erst einmal in verschiedenen Telefonaten versucht herauszufinden, was jetzt eigentlich genau mit dem Konzept passieren soll.

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