Was soll mit der ehemaligen Synagoge passieren?

Rheinpfalz, Ausgabe vom 13. Juni 2022.

Die Diskussion über die Zukunft des Gebäudes wird bislang hinter verschlossenen Türen geführt – Anja Kleinhans strebt eine kulturelle Nutzung an.

Freinsheim. „Theader“-Leiterin und Schauspielerin Anja Kleinhans möchte aus der ehemaligen Synagoge in der Judengasse eine kulturelle Begegnungsstätte mit Theater und mehr machen. Dafür will sie das Gebäude mieten und ist daher auf die Unterstützung der Politik angewiesen. Bislang ist allerdings nicht klar, was die Stadt Freinsheim mit dem Gebäude vorhat – beraten wurde bislang hinter verschlossenen Türen.

Der Frust ist Kleinhans deutlich anzumerken. Die Leiterin des Theaters im Casinoturm hat in den vergangenen Monaten Zeit und Energie in ein Konzept gesteckt, um in der ehemaligen Synagoge in der Freinsheimer Judengasse einen Kulturbetrieb zu ermöglichen. Ob es mit der Begegnungsstätte in den Räumlichkeiten des früheren Männergesangvereins etwas wird, ist aber nach wie vor offen. Und was die politisch Verantwortlichen darüber denken auch, denn am Donnerstag ging es zwar in einer Ausschusssitzung um das Gebäude – aber nicht-öffentlich.

Die Schauspielerin würde sich wünschen, dass die Gremien die Frage transparent diskutieren, damit auch die Bürger mitbekommen, wie es mit der alten Synagoge weitergeht. „Die Stadt hat eine Verantwortung für das geschichtliche Gebäude“, sagt sie. Es sei schließlich nicht irgendein Haus.

Sie sei von der Stadtspitze, dem Beigeordneten Willi Simon (FDP) selbst, auf das Gebäude aufmerksam gemacht worden, betont sie. Bürgermeister Matthias Weber (FWG) habe sie zu einem Businessplan ermutigt, den sie bereits zu Jahresanfang vorgelegt hatte (wir berichteten). Damals hatte sie die Möglichkeit von bis zu 100.000 Euro an Fördergeldern aufgezeigt. Und auch heute ist sie noch optimistisch, dass sie im Falle einer Zusage von Kulturförderung profitiert, wenn sie denn die Möglichkeit bekommen sollte und die Synagoge nicht von der Stadt verkauft wird.

Ein Verkauf ist aus ihrer Sicht vor allem deshalb eine wahrscheinliche Option, weil sich die Stadt davor scheue, sich mit dem Erhalt der Synagoge Kosten aufzuladen. Denn wegen des Brandschutzes muss in das aus ihrer Sicht sonst gut erhaltene Gebäude investiert werden. Diese Investitionen seien aber stemmbar – auch angesichts von Fördertöpfen wie etwa dem Leader-Programm, findet sie. Weiter habe die Stadt kein Risiko. Sie habe all ihre Kraft in die „kleine Kulturperle“ gesteckt, betont Kleinhans, die sich mehr Wertschätzung für das Gebäude und die kulturelle Idee wünscht.

Politisch ist das Thema noch nicht ausdiskutiert. Am Donnerstag, 23. Juni, soll es in einer Stadtratssitzung über den Verkauf oder Nichtverkauf des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gehen, das zuvor vom aufgelösten Männergesangverein als Sängerheim genutzt wurde. In der Stadtspitze will man sich dazu im Vorfeld nicht äußern. Der für städtische Liegenschaften zuständige Beigeordnete Simon betont jedoch, dass er nach wie vor für einen Verkauf des Gebäudes ist, weil dies für die Stadt die wirtschaftlichste Lösung sei.

Angie Hubach (SPD) sagt, dass es bei der Diskussion derzeit nicht um das Konzept von Anja Kleinhans gehe, sondern um die grundsätzliche Frage, ob die Stadt das Gebäude behalten wolle. Dabei müssten finanzielle Aspekte genauso berücksichtigt werden wie Fragen des Denkmalschutzes. „Die Kultur ist eine wichtige Säule in unserer Stadt. Die Frage ist eben nur: Wie können wir das stemmen?“, so Hubach. Noch mal in die Diskussion gehen will auch die CDU. Dabei will Fraktionsvorsitzender Sascha Leiser aber auch die Haushaltszahlen in den Blick nehmen. Bei den Grünen wird voraussichtlich im Stadtrat unterschiedlich abgestimmt, ließ Silvia Schmitz-Görtler auf Nachfrage durchblicken. „Ich sehe sowieso nicht die Eile“, kritisiert sie das Verfahren. In Weisenheim am Berg habe es doch durch den Synagogen-Verein eine Lösung gegeben, ein solches Gebäude für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. „Da müsste man sich mal darum kümmern, ob das nicht auch für Freinsheim eine Option wäre. Doch dazu bräuchten wir noch Zeit“, argumentiert sie für einen Aufschub der Entscheidung.

In der FWG-Fraktion wird noch über die Zukunft des Gebäudes beraten, kündigt Mitglied Heiko Gauglitz an. Jedoch sei in der Sitzung am Donnerstag klar geworden, dass bei einer Sanierung hohe Kosten auf die Stadt zukämen. Problematisch sei auch der Standort in der schmalen Judengasse. |jpl/led

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